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10.März 2009

Eis-Bigwalls in Norwegen erstbegangen

Anfang Februar reiste ich zusammen mit Markus Stofer aus der Schweiz für einen Eisklettertrip nach Norwegen.

Schon 1999 hatte ich in den Fjorden Norwegens bei Gudvangen (Aurland) im Naeroydalen große Wasserfälle entdeckt, die wohl zu den absolut höchsten weltweit zu zählen sind. Die Wetterbedingungen sind aber gerade so nah am Meer äußerst ungünstig zum Eisklettern. Der milde Golfstrom und die oft herrschende Westwetterlage verhindern meist das Gefrieren der riesigen Wassermassen die über senkrechte Felswände in El Cap-Größe hinunter in die Fjorde stürzen.  Die diesjährige außergewöhnlich lange Kältewelle mit Temperaturen bis zu –30°C hatte aber ganz Norwegen zu Eis erstarren lassen. Dies war die Chance die wir uns als Eiskletterer nicht entgehen lassen konnten.

INTO THE WILD

Mit „Into the wild “ WI 6X, 900 Höhenmeter und einer Länge von ca. 1300 Metern gelang uns eine der längsten Eisfallrouten. Weiter führte die Reise zum Eidfjord, wo Klassiker wie der Vöringsfossen, 180 Meter WI6 warteten. An der Südwand des Mabodalen eröffneten wir mit „Landeplage“ WI 7-; 240 Meter eine phantastische Mixedlinie über freihängende Eiszapfen. Erst letztes Jahr war ein kanadisches Eiskletterteam hier aktiv gewesen und es gelangen begeisternde Routen zwischen WI5 -WI6+.

FOSSLIMONSTER

Zurück in Gudvangen wagten wir uns an den markantesten Eisfall des ganzen Naeroydalen. Erst sah das Eis zum klettern noch zu dünn aus, jetzt schien es dicker gewachsen zu sein.

Zur Erkundung kletterten wir die ersten 300 Meter. Das Eis war gläsern aber dick genug. Wir verschoben unseren Rückflug, um zwei Tage später einen Versuch starten zu können. Die Mixedseillängen im Mittelteil hielten uns lange auf, bei -10°C war das Eis noch glasiger als am Vortag.

Nach zwei Drittel Wandhöhe kletterten wir noch zwei Seillängen im Dunklen, dann mussten wir einsehen, dass wir in der Nacht keine Chance in der weiterhin anhaltend steilen Eiswand hatten. An zu Kabeln vereisten Seilen seilten wir deprimiert ab, das „Fosslimonster“ hatte gesiegt. Wieder zurück zuhause ging mir das Monster aber nicht mehr aus dem Kopf. Nach dem Eis-Event am Wochenende war es soweit. Ich wollte unbedingt meinen großen Traum vom wildesten Eisfall meines Lebens realisieren.

Zusammen mit Roger Schäli aus der Schweiz, der zu meinem Glück spontan zusagte, flog ich wieder zurück nach Norwegen. Eine von der Fluggesellschaft liegen gelassene Tasche, Zollprobleme mit unserer Kletterausrüstung und ein uns die Vorfahrt nehmendes Auto kosteten uns einen vollen Tag und hätten das Eintreffen in Gudvangen fast noch verhindert. Am nächsten Morgen um 4 Uhr waren wir dann aber hoch motiviert am Start.

Es war viel wärmer, so um die null Grad, also genau der richtige Tag. Nach hartem Ringen gelang uns endlich die ersehnte Erstbegehung von „Fosslimonster“ M8+, WI6+, 800 Höhenmeter, ca. 1000 Klettermeter. Damit konnten wir zwei der wohl höchsten Wasserfälle weltweit erstbegehen. Ein großer Traum ging in Erfüllung, denn so einen Eisfall, so eine perfekte zu Eis erstarrte Linie des Wassers, werde ich wohl mein Leben lang nicht mehr finden. Am darauf folgenden Tag begann es ernsthaft zu tauen.

Es ist die längste Eisfallkletterei in diesem Schwierigkeitsbereich die ich kenne, absolut extrem. Für mich war es die vollkommene Verbindung aus unserem Sport, modernes Eis und Mixedklettern, in dieser Länge für uns ein neuer Schritt, ein riesiges Abenteuer, und darauf kommt es an!

Detailinfos/ Erstbegehungen:

Gudvangen (Aurland) - Naeroydalen
mit seinen bis zu 1000 Meter hohe Wasserfällen

„Into the wild“ (WI 6X, E5)

  • 900 Höhenmeter , ca. 1300 Klettermeter;
  • 1. Begehung onsight am 3. Februar (Robert Jasper und Markus Stofer);
  • eine der längsten Eisfallrouten weltweit;
  • Zugang besser von der Tankstelle Gudvangen auf der linken Bachseite;
  • Material: Eisausrüstung, 60 Meter Seile;
  • Abstieg: Abseilstände bis SL 3 vorhanden, weiter oben mittels Eissanduhren und Büsche.
  • Lage: Von Gudvangen das Naeroydalen hinauffahren (Richtung Voss) bis kurz hinter das Ortsschild Gudvangen . Der Eisfall ist auf  der linken Seite zu sehen.

Eidfjord - Südwand des Mabodalen 

„Landeplage“ (WI 7-, E4)

  • 240 Meter;
  • 1. Begehung rotpunkt am 06. Februar (Robert Jasper, Markus Stofer);
  • eine phantastische Mixedlinie über freihängende Eiszapfen;
  • Material: Eisausrüstung, 60 Meter Seile;
  • Abstieg: Alle Abseilstände bis auf eine Eissanduhr vorhanden;
  • Lage: Von Eidfjord das Mabodalen hinauffahren (Richtung Liset) bis kurz vor den Vöringsfossen. Die Eisfälle sind auf  der linken Seite(Südwand) gut zu sehen. 

Gudvangen (Aurland) - Naeroydalen 

„Fosslimonster“ (M8+, WI6+, E5)

  • 800 Höhenmeter, ca.1000 Klettermeter;
  • 1. Begehung rotpunkt am 19. Februar (Robert Jasper und Roger Schäli nach zwei Tagen Vorarbeit Anfang Februar durch R. Jasper und M. Stofer);
  • Einer der außergewöhnlichsten und längsten Eisfälle weltweit, Kletterzeit 12,5 Stunden;
  • Abstieg: Abseilstände bis SL 9 vorhanden, weiter oben mittels Eissanduhren;
  • Material: Eisausrüstung, 60 Meter Seile, Friends 0.5- 2.5 und 3.5 (evtl. Keile);
  • Lage: Von Gudvangen das Naeroydalen hinauffahren (Richtung Voss) bis kurz vor die Abzweigung (Steinbruch auf der rechten Seite) nach Nasen. Der Eisfall ist direkt neben der Strasse auf  der linken Seite.



Robert Jasper ist für den Unterkircher Award 2010 nominiert.

Robert Jasper ist zusammen mit seinem Seilpartner Roger Schaeli für den erstmals verliehenen Karl Unterkircher Award nominiert. Gewürdigt wird dabei ihre außerordentliche alpinistische Leistung: die erste freie Begehung der...


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